IGF - Integrierte Gesamtschule Friedrichsort

 

Die Integrierte Gesamtschule Friedrichsort (igf ) ist 1972 gegründet worden. Maßgeblichen Anteil hatten daran der Gesprächskreis Pries/Friedrichsort unter Leitung seines damaligen Vorsitzenden Pastor Siegfried Heistermann sowie der damalige Stadtschulrat und jetzige Staatssekretär im Finanzministerium Dr. Joachim Lohmann. Grund war die seinerzeitige schulische Unterversorgung der Stadtteile nördlich des Kanals.

Im ersten Jahr wurden 210 Schülerinnen und Schüler eingeschult; heute umfasst die igf  knapp 800 Schülerinnen und Schüler. Sie werden von 81 Lehrkräften unterrichtet. Außerdem sind an der igf  3 sozialpädagogische Fachkräfte, ca. 25 Freizeitmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, 3 Sekretärinnen sowie 2 Hausmeister tätig.

Nahezu 3000 junge Leute haben zwischenzeitlich die igf  mit einem Schulabschluss verlassen.

Die igf  hat besondere organisatorische Schwerpunkte:

  1. Sie ist Gesamtschule. Die igf  wird besucht von allen Schülerinnen und Schülern, unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit und unabhängig von ihrem späteren Schulabschluss. Je nach Leistung können sie die igf  mit dem Hauptschulabschluss, dem Realschulabschluss oder dem Abitur verlassen.
  2. Sie ist Ganztagsschule. Der Unterricht setzt sich an vier Tagen der Woche am Nachmittag fort. Während der Mittagspause gibt es eine große Anzahl von geleiteten Freizeitaktivitäten, z.B. Sport, Tonarbeiten, Batik, Computer, Aquarium, Öko-Laden, Schach, Spielothek usw. Über 500 Schülerinnen und Schüler nehmen täglich ein warmes Mittagessen zu sich.
  3. Sie ist UNESCO-Schule. Die Lehrkräfte haben sich selbst verpflichtet, den Unterricht auch im Geist dieser weltumspannenden Unterorganisation der Vereinten Nationen (UN) zu organisieren, also Friedenserziehung, Gewaltfreiheit, Erhaltung der Umwelt und internationale Solidarität.

Die igf  hat auch besondere pädagogische Schwerpunkte:

  1. Ein künstlerisches Profil, u.a. mit einer besonderen Kunstklasse ab 5. Jahrgang und ständigen Kunst-Leistungskursen auf der Oberstufe;
  2. Der Informatik-Unterricht in - inzwischen - drei Computerräumen mit Anschluss ans Internet und ständigem E-Mail-Austausch mit entsprechenden Klassen, vor allem in den USA;
  3. Besondere Erfahrungen im Methodenunterricht, u.a. auch für Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Muttersprache oder mit Lese-Rechtschreibschwächen (Legasthenikern);
  4. Verbindung von intellektueller und praktischer Bildung durch Betriebspraktika für alle, Technikunterricht, auch für Mädchen, oder oftmalige Projekttage oder Projektwochen.

Die igf als UNESCO-Projekt-Schule

Ein Profil

Die Integrierte Gesamtschule Friedrichsort (igf ) in Kiel ist seit 1988 als Mitglied im weltweiten Verbund der UNESCO-Projekt-Schulen anerkannt. Dies erfolgte in Würdigung der Tatsache, daß sich die Schule frühzeitig den Zielen der UNESCO verpflichtet gefühlt hat. Es bedeutet aber auch, daß diese Ziele sich ständig im Schulleben in und außerhalb des Unterrichts fortsetzen müssen.

Dies zeigt sich allein schon im Zusammenleben in einer Schule, die als Gesamtschule keine Trennung nach Schularten kennt und schon gar nicht Unterschiede macht nach Nationalitäten, Hautfarben oder Kulturen.

Zum Selbstverständnis der Schule gehört das Engagement gegen Gewalt, so durch die Arbeit zum Jahresmotto "Gewalt" im Schuljahr 1993/94 (Þ Dokumentation), die Teilnahme an den Landesprojekten "Sport gegen Gewalt" und "Regionale Gewaltprävention", die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinde und Polizei (Gewalt-Runde), einen Lehrer-Eltern-Kreis zum Thema Gewalt sowie die Lehrer-Eltern-Arbeitsgemeinschaft zur Suchtvorbeugung oder Veranstaltungen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern.

Das Augenmerk aller richtet sich auf die dauerhafte Erhaltung unserer Umwelt, so etwa beim Anti-Müll-Tag (mit mehreren Umweltpreisen auf lokaler, Landes- und Bundesebene Þ Dokumentation), im Schüler-Umwelt-Laden mit vorwiegend ökologisch verträglichen Angeboten, im Schulgarten mit Lehmhaus und Teich sowie in der Anlage eines "Knickschiffes".

Ständig werden Kontakte nach außen geknüpft und unterhalten, z.B. durch Partnerschaften mit anderen Schulen, darunter UNESCO-Projekt-Schulen (École active bilingue Paris, Aranyi-Janos-Gimnazium Budapest), der Rudköbing Skole (Dänemark) und der Gesamtschule Stralsund sowie seit neuestem dem Gymnasium Nr. 1 in Kaliningrad/Königsberg und der Caludon High School in Coventry, England, oder durch eine Informationsfahrt in die Türkei. Zusätzlich gibt es jährliche Exkursionen zu den von der UNESCO geförderten Städten Lübeck und Stralsund und zum ehemaligen KZ Neuengamme.

Als Beispiel für praktische Solidarität unterstützt die igf  das Projekt ANELC (Hilfe für notleidende Kinder) der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Buenos Aires.

Anlässlich des 10. Jahrestages des Reaktorunfalls in Tschernobyl am 26. April 1996 beteiligte sich die igf  am 1. Weltweiten Projekttag der Solidarität. Die Schülerinnen und Schüler erliefen Spendengelder in Höhe von ca. 47.000 DM.

Im laufenden Schuljahr widmet sich die igf  dem Thema "Menschenrechte". Jede Lehrkraft hat sich verpflichtet, dazu mindestens einen Unterrichtsbeitrag zu leisten. Dies soll zum zehnjährigen Bestehen der igf  als UNESCO-Schule im Jahre 1998 dokumentiert werden.

Am 27. April diesen Jahres wird die igf  im Rahmen des 2. Weltweiten Projekttages der Solidarität und aus Anlas des 50. Jahrestages der "Deklaration der Menschenrechte" an einer von amnesty international initiierten Unterschriftensammlung teilnehmen, die zur Verwirklichung der Menschenrechte und zum Schutz von Menschenrechtler/Innen weltweit aufruft.

Sarah Primosigh / Inga Dohrmann
aktualisiert von Reinhard Koglin und Wolfram Rockstroh im April 1998